Wie einige von euch schon wissen helfe ich ehrenamtlich im Karori Sanctuary als Besucherbetreuer.
Das Sanctuary ist ein Naturschutzgebiet rund 2km vom Stadtzentrum entfernt. Dieses Gebiet ist mit einem sogenannten "predator exclusion fence" versehen. Das heisst, es ist umrundet mit einem Zaun, der so konsturiert wurde, dass keine boesen Tierchen wie Katzen, Possums, Ratten, Wiesel oder Mader hinein kommen. Das ganze wurde vor 10Jahren gegruendet. Zu dieser Zeit wurde der Zaun gebaut und dann mit Fallen und Gift die so genannten "invasive predators" (eingeschleppte Raeuber) aus dem Gebiet entfernt. Genau diese eingeschleppten Boesewichte sind der Grund warum es vielen der Voegel und den Tuataras hier in NZ populationsmaessig so schlecht geht. Viele der endemischen Voegel sind flugunfaehig und brueten ausserdem am Boden. Daher sind sie den Raeubern, die vor allem von den Europaeern eingeschleppt wurden schutzlos ausgesetzt und ihre Populationen teilweise so gut wie ausgeloescht worden..
In den eingezaeunten Schutzgebieten, von denen es mehere in NZ gibt (und auf den Inseln rund um NZ) war es dann moeglich die Populationen wieder ein wenig auf Vordermann zu bringen indem man sie dorthin umgesiedelt hat, wo sie keiner Gefahr mehr ausgesetzt sind.
Und genau das ist auch in Karori der Fall.
Vor 10Jahren wurden dann ein paar Little Spotted Kiwis ins Schutzgebiet freigelassen. Dort leben diese Tierchen unbehelligt seit dem. Die grosse Frage zur Zeit ist nun, wieviele gibts denn mittlerweile? Das heisst also: Kiwi zaehlen ist angesagt! Und ich hatte das grosse Glueck bei dieser Aktion helfen zu duerfen und kam dabei dann auch noch in den Genuss eines ganz besonderen Abenteuers..aber eins nach dem anderen.
Am Dienstagabend haben wir uns um 19Uhr am Sanctuary getroffen. Mit von der Parie waren etwa 8 Freiwillige Helfer sowie 5Mitarbeiter des Department of Conservation (Umweltministerium) und zwei so genannte Kiwi-Dogs (Kiwi-Hunde). Diese Hunde sind darauf trainiert Kiwis zu erschnueffeln. Tagsueber tun sie das, wenn die Kiwis in ihren Hoehlen schlafen und nachts schlagen sie an, wenn sie einen Kiwi riechen, der gerade auf Nahrungssuche ist (die lieben Tierchen sind naehmlich nachtaktiv :) ..
Zusammen mit Erin (zweite Freiwillige), den beiden DOC-Mitarbeitern Tash und James und dem Kiwi-Hund Persil gings dann also los.
Ausgeruestet mit warmer Kleidung und Kopflampen gings auf ins Sanctuary um Kiwis zu suchen.
Nach ca 45min wars dann soweit und so laeuft dann also die Jagd nach dem Kiwi ab:
Persil hatte einen Kiwi erschnuppert und blieb ploetzlich wie angewurzelt stehen. DAs war das Zeichen fuer uns, unsere Lampen auszuschalten. Tash hat den MP3-Player und Boxen ausgepackt und damit Kiwi-Rufe abgespielt, die den Vogel, der irgendwo um uns rumstromerte anlocken sollten.
Natuerlich ist es vollkommen dunkel im Sanctuary und somit ist man dann sobald die Lampen ausgeschaltet sind auf sein Gehoer angewiesen. Die Kiwis sind bei ihrer Nahrungssuche nicht gerade leise und rascheln mit ihrem Schnabel doch recht laut durch das am Boden liegende Laub. Wir sassen also alle 4 ganz stumm im stockfinsteren Wald und haben gelauscht wo der Kiwi ist. Wer immer das Gefuehl hatte der Kiwi ist am naechsten zu ihm/ihr hat leise gepfiffen. Tash hat dann hin und wieder die Rufe abgespielt um den Kiwi so in Position zu locken, dass sie oder James ihn mit ihren Kescher fangen konnten. Dazu mussten sie dann auch wirklich blitzschnell sein. Hatten sie das Gefuehl der Kiwi ist nahe genug bei ihnen haben sie ihre Lampen angeschaltet und versucht den Kiwi zu fangen. In der Theorie haben Kiwi kaum Fluchtverhalten und ducken sich einfach wo sie gerade sitzen, wenn sie Gefahr verspueren...naja, wie gesagt, in der Theorie..in der Praxis ist dann durchaus mal ein beherzter Hechtsprung oder ein kurzer Sprint durch den Wald noetig..Aber Tash, James und Persil sind nicht umsonst Profis in ihrem Fach.. :) Der erste Kiwi ging ins Netz!
Ist er gefangen werden die Masse des Vogel, die Laenge seines Schnabels und sein Gewicht gemessen. Ausserdem werden ihm ein paar Federn entrupft, die fuer genetische Zwecke gebraucht werden. Zum Abschluss bekommt er dann noch einen MEtallring mit individueller Erkennungsnummer ans Bein, wenn er nicht schon einen hat, und ausserdem einen kleinen Sender ans andere Bein. Dieser Sender hilft uns dabei tagsueber rauszufinden wo die lieben Tierchen ihre Hoehlen haben und den Tag ueber schlafen bzw wie hauefig sie ihre Bauten wechseln etc.
Und ganz zum Abschluss kommt dann eine eh schon voellig faszinierte freiwillige Helferin in den Genuss den Vogel auf den Arm zu nehmen und fuer ein Foto posieren zu duerfen!! Juuuuuhuuuuu! Es ist so ziemlich das groesste was einem hier in Neuseeland (besonders einem Biologen) passieren kann. Die wenigsten Leute (selbst Neuseelaender) haben ueberhaupt je einen Kiwi gesehen (ausser vlt im Zoo oder eben bei Nachtfuehrungen im Sanctuary oder den Inseln) und haben definitiv nie die Chance gehabt einen anzufassen!
Und so ganz ohne war das ganze Suchen auch nicht unbedingt. Einen der Kiwis haben wir in einem Bachtal gefangen. Das Problem ist aber, dass kein Weg in dieses Bachtal fuhert und somit der einzige Zugangsweg ein 25m hoher extrem steiler Abhang im Wald ist..Also gut, nix wie runter da..Naja, mit einem ordentlich blauen Oberarm (da ich zwischendurch mal kurz ein wenig den Halt verloren und dann etwas schwungvoll den Baum umarmt habe, der mich aufgefangen hat) und dem ein oder anderen Kratzer and Haenden und Beinen bin ich dann aber auch heil unten angekommen..(und der Weg nach oben war nicht minder spannend..die Kratzer an den Haenden wurden dann dank dem Versuch sich an irgendwelchen Dorenenbueschen festzuhalten noch ein wenig vermehrt...ganz zu schweigen vom Muskelkater am naechtsen Tag :D )
Dort haben wir dann ungefaehr 30min gesessen und auf den Kiwi gelauscht, der immer naeher kam..Allerdings war der dermassen laut, dass ich mir sicher war, dass kann er nicht sein und dachte es sei James, der versucht sich naeher ranzuschleichen..ich hatte ein wenig Angst, dass er auf mich tritt,weil er mich ja nciht haette sehen koennen..ja, wie sich rausstellte war es tatsaechlich der Kiwi, der so einen Laerm gemacht hat :D Und Tash hat ihn dann zum Schluss mit dem erwaehnten beherzten HEchtsprung gefangen! YAY!
Ausserdem wurden wir von einer Pateke (auch Brown Teal genannt), einer nachtaktive Ente ein wenig an der Nase rumgefuehrt..Nachdem ich meinen Posten eingenommen hatte habe ich ein irgendwie schmatzendes Geraeuch gehoert, dass sich mir von links durch den Bach naeherte und dann an mir vorbei lief und rechts von mir stehen blieb..als James dann Entwarnung gab und wir die Lampen wieder anmachen durften waere ich dann also fast auf diese kleine braune Ente getreten, die sich selbst von meiner Taschenlampe keineswegs hat stoeren lassen :D
Das tolle an diesem Bachtal war noch, dass es voll war mit den Glowworms, von denen ich euch schon aus den Hoehlen berichtet hatte..Nach dem etwas heiklen Abstieg hierher sass ich also da, im stockfinsteren neuseelaendischen Wald, habe darauf gewartet, dass der Kiwi vorbeikommt, wurde von ner Ente an der Nase herum gefuehrt und als ich mich umgedreht habe, hat die ganze Boeschung hinter mir geleuchtet wie der (an diesem Abend unglaublich klare und wundershcoene) Sternenhimmel... wie schon gesagt, diese Nachtschicht war ein echtes New Zealand Adventure oder wie die Neuseelaender sagen wuerden: sweet as, 100% pure New Zealand ;)
Es war der absolute Hammer und jeden Kratzer und blauen Fleck wert und definitiv ein absolutes Highlight meiner Zeit hier im Land der langen weissen Wolke - Aoteraoa
Drei Tage spaeter, nachdem blaue Arm so langsam lila und gruen wurde :D gings dann nochmal tagsueber raus ins Sanctuary. Diesmal sind wir mit Antenne und Receiver rumgelaufen und haben versucht die Kiwis mit Sender zu finden..Auch das keine ganz leichte Aufgabe. Immerhin sieht man tagsueber gleich welchen Hang man hoch oder runter klettern muss, aber das macht sie nach zwei Tagen nicht weniger rutschig :D
Und noch einmal hatte ich super viel Glueck, da an diesem Tag ein Fernsehteam im Sanctuary war um einen kleinen Bericht ueber die Kiwi-Hunde zu drehen. Wir wurden gefragt, ob wir evtl zur Verfuegung stehen wurden fuer ein paar Aufnahmen. Im Endeffekt wollten sie uns dann zwar doch nicht (Ich nehme an wir waren von den 3Std, die wir schon durch den Bush gekrochen waren um Kiwi Nr 17 zu finden doch schon ein wenig zuu schlammverkrustet ;) )
Aber trotzdem wars ne super Gelegenheit, da sie fuer den Beitrag einen Kiwi aus seinem Bau geholt haben und ich so nochmal bei Tageslicht einen blick auf das Tierchen werfen konnte :)
Ja, es war eine absolut geniale und ereignisreiche Woche! Als naechstes steht dann am kommenden Dienstag meine offizielle Graduation Ceremony (Zeugnisuebergabe) und Parade an :)
Sweet as bro!
Eure Jule

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen